Bienenfresser auf dem Vormarsch?

Wer glaubt, dass der Bienenfresser für das Insektensterben in Norddeutschland generell verantwortlich ist, der irrt gewaltig! Andere insektenfressende Vögel wie z.B. die Schwalben sind genauso wenig Schuld daran wie die Bienenfresser. Sie verzehren eben die Insekten, die gerade in ihrer Nähe unterwegs sind. Außerdem kommt er nur in wenigen Paaren bei uns in der Gegend vor!

Profiteur des Klimawandels?

Ist der Bienenfresser auf dem Vormarsch – Klimawandel sei Dank? Die Vermutung liegt nahe, wissenschaftlich nachgewiesen ist es noch nicht. Der Bienenfresser ist eigentlich im Mittelmeerraum bis nach Vorderasien zuhause, ältere Vogelbücher berichten, dass er hin und wieder auch in Deutschland brüte.

Aus dem Landkreis Vechta ist schon länger bekannt, dass sich dort ab Mai Bienenfresser aufhalten. In diesem Jahr konnte man sie dort erst Ende des Wonnemonats beobachten. Sie sind genauso wie die Uferschwalben Höhlenbrüter, die gerne an Steilwänden in Sandabbaugebieten ihre Höhlen graben. Ein (Brut-) Paar ist jetzt auch im Landkreis Oldenburg aufgetaucht!

Foto 1: Sitzen, warten, Ausschau halten!
Foto 2: Beute erspäht, Abflug!

Hochzeitsritual und Jagdweise

Interessant ist nicht nur das Hochzeitsritual, wenn das Männchen seiner Auserwählten Geschenke in Form von Insekten überreicht, sondern auch die Jagdweise. Der Vogel sitzt am liebsten auf dem Draht einer Telegrafenleitung (s. Fotos oben) und hält nach Nahrung Ausschau. Hat er ein Insekt erspäht, schießt er sofort los und kehrt binnen weniger Sekunden mit der Beute zu seinem angestammten Platz zurück. Dann führt er Ober- und Unterschnabel kräftig zusammen (tötet damit seine Beute), macht eine ruckartige Kopfbewegung nach hinten, das tote Insekt gleitet aus dem Schnabel (s. Foto 3) und scheint (aus Sicht des Fotografen) verloren. Geschickt fängt es der Bienenfresser aber wieder auf (s. Foto 4) und schluckt es herunter (s. Foto 5). Diese Verhaltensweise lässt sich so ca. eine gute Stunde beobachten bis der Bienenfresser satt ist.

Foto 3: Kopf in den Nacken, das Insekt wird hoch geschleudert.
Foto 4: Achtung, Insekt fällt in den Schnabel!
Foto 5: Auffangen und schlucken, „Guten Appetit!“

Aussehen

Der Bienenfresser ist lebhaft gefärbt, langflügelig und langschwänzig mit langem, leicht gebogenem Schnabel. Beide Geschlechter sind kaum zu unterscheiden. Er lebt gesellig, sitzt gern auf Drähten oder Buschspitzen, hält dort Ausschau nach (Wild-) Bienen, Wespen oder anderen Insekten.

Sein Flugbild ist typisch: einige schnelle Flügelschläge wechseln mit längeren Gleitphasen ab. Sein Flugruf ist ein flüssiges „prürr“.

Es war einmal?

Es soll vor Jahren mal einen Fall in Norddeutschland gegeben haben, dass ein Imker sich beschwert hat, der Bienenfresser habe einen Großteil seiner Völker gefressen. Da es in dem Jahr wenig Insekten gab, und er glaubhaft seinen Verlust nachgewiesen hat, wurde der Bienenfreund tatsächlich (geringfügig) entschädigt.

Hinter folgenden Links finden sich weitere interessante Vogelporträts zum Baumfalken, zu Weihen oder auch dem Mäusebussard.

Text Max Hunger und Horst Himmelskamp, Fotos von Max Hunger