Auf Trappentrip in Sachsen-Anhalt

Von einem ganz besonderen Erlebnis berichtet dieser Artikel: Nachdem es Anfang April auch in Sachsen-Anhalt und Brandenburg noch ziemlich kühl gewesen ist, stiegen die Temperaturen langsam und für die männlichen Großtrappen wurde es Zeit, die Balzplätze im Fiener Bruch aufzusuchen.

Zutritt nur für Trappen!

Die Großtrappen kehren jedes Jahr wieder auf ihre angestammten Balzplätze zurück. Sie liegen inmitten mehrerer hundert Hektar großer Graslandschaften. Am Rande der sehr gut zu übersehenden Flächen stehen Aussichtstürme für Besucher zur Verfügung.

Trappenhähne auf dem Balzplatz

Das Betreten des „Trappenareals“ ist für Menschen streng verboten. Mit ein wenig Glück fallen die Hähne aber in der Nähe des Aussichtsturms ein, von wo man auch fotografieren kann. Aber bei einer Entfernung von ca. 1 Kilometer lassen sich die balzenden Hähne ohne Fernglas, Spektiv oder Teleobjektiv nur als weiße Punkte erkennen. Wenn sich Weibchen auf der Fläche blicken lassen, beginnen die geschlechtsreifen Männchen mit dem imposanten Federspiel. Sie drehen ihr leuchtend weißes Untergefieder weit gefächert nach außen und erreichen mit dem „Aufblasen“ des dehnungsfähigen Halses eine zusätzliche Vergrößerung ihres Körpers.

Trappenhennen sind alleinerziehend!

Kommt es zur Paarung, kümmert sich danach die Henne allein um alles. Sie legt 1 – 3 Eier in eine kleine Mulde in der Bodenvegetation, der Schlupf der Küken erfolgt nach 24 – 26 Tagen. Monatelang kümmert sich das Weibchen um den Nachwuchs, der erst Jahre später geschlechtsreif wird. Die Hennen nach 2 – 3 Jahren und die Hähne erst nach 4 – 5 Jahren. Trappen können in der Natur über 20 Jahre alt werden.

Projekt Großtrappe

Um den Trappenschutz kümmert sich der „Förderverein Großtrappenschutz e.V.„. Dies ist eine Zusammenarbeit der Länder Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Gemeinsam kümmert sich der Förderverein um drei Gebiete:
– Fiener Bruch in Sachsen-Anhalt
– Buckow und Baitz in Brandenburg

Auf dem Flyer des Vereins steht „Großtrappenschutz ist Naturschutz in der Agrarlandschaft“. Das heißt intensive Zusammenarbeit mit Landwirten und Bewohnern der Region, um Wissen und Verständnis aufzubauen.
Großtrappen sind übrigens die schwersten flugfähigen Vögel der Welt. In unmittelbare Nähe zu den Trappenbalzflächen können auch Rotfuchs, Hasen und zahlreiche Rehe beobachtet werden.

Entwicklung des Nachwuchses

Nur aus 30% der Eier wird eine geschlechtsreife Trappe. Dabei gibt es keinen großen Unterschied, ob die Küken in freier Natur oder im Trappengehege aufwachsen. Denn auch im Gehege ist der Druck durch fliegende Prädatoren, wie z.B. Krähen, Bussarde oder Seeadler groß. Füchse, Marderhunde, Waschbären und andere Liebhaber von Eiern und Küken werden durch einen Zaun ferngehalten. Die Trappenhennen haben gelernt, dass es sich im Trappengehege sicherer brüten lässt als außerhalb. Zur Futtersuche fliegen sie dann einfach über den Zaun.

Eier verlassener Gelegen in freier Natur werden eingesammelt, ausgebrütet und die Küken groß gezogen. Damit die spätere Auswilderung auch erfolgsversprechend ist, wird der Kontakt zu Menschen so gering wie möglich gehalten. Die Vögel sollen sich erst gar nicht an Menschen gewöhnen. So halten sie später in der Freiheit auch genügend Abstand.

Ein Film zum Trappenschutz wurde am 01. Mai auf Arte gezeigt und steht bis Ende Mai in der Mediathek.

Unvergessene Momente

Der Wecker klingelt um 5 Uhr, gegen 6 Uhr ist Abmarsch zum Beobachtungspunkt. Beim Verlassen der Jagdhütte, die als Unterkunft diente, landen zwei Kraniche auf der Waldwiese direkt nebenan. Ein super Start in den Tag, noch vor der Fahrt zur Aussichtskanzel. Nach einer Stunde Wartezeit auf dem Hochsitz fallen zwei männliche Großtrappen ca. 200 m vor uns ein. Dies ist in unmittelbarer Nähe des Trappengeheges. 20 Minuten später flüchten sie, weil eine Kolonne von 3 LKW´s auf dem Sandweg am Hochsitz vorbeifährt.

Später, auf dem Weg zum Trappenmuseum stehen 12 Trappenhähne auf einem Feld. Der Versuch der vorsichtigen Annäherung misslingt. Am späten Nachmittag zählen wir 40 Trappen auf dem Balzplatz, leider in zu großer Entfernung. Nach Rückkehr zum Tagesstartpunkt kurze Verschnaufpause, dann ging es zum Nachtansitz auf Wildschweine.

Beim Ausflug nach Jerichow am Tag darauf entstand ein Teil der Bilder aus der obigen Diashow.

Naturpark „Drömling“

Auf der Rückfahrt wurde am Naturpark „Drömling“ Halt gemacht, an einem Aussichtspunkt Rast eingelegt und auf dem kurzen Spaziergang Spuren vom Biber gefunden, der einige Bäume bearbeitet hatte. Am Himmel kreisten Kolkrabe und Rotmilan, Feldlerchen waren zu hören, im Schilf, ein paar Schritte weiter, saßen Schwarzkehlchen und Raubwürger an exponierter Stelle, eine Steppenmöwe zog vorüber.