Praktische Tipps für Vogelfreunde

An dieser Stelle werden praktische Tipps für den Umgang mit unseren gefiederten Freunden gegeben.

  1. Vogelfütterung nur im Winter oder ganzjährig?
  2. Was tun, wenn Vögel aus dem Nest fallen?
  3. Wo und wie siedel ich Schwalben an?
  4. Nistkastenbau bzw. Aufhängen, Säubern? Entfernen alter Nester?
  5. Wie verhindere ich, dass fremde Arten meinen Nistkasten besetzen?
Kleiber an Futterstelle, Foto: Sophia von Elbwart

1. Vogelfütterung nur im Winter oder ganzjährig?

Sehr beliebt ist die winterliche Vogelfütterung. In Baumärkten, Tierhandlungen, Landwirtschaftliche Genossenschaften, im Internet , etc. gibt es dazu Futterhäuschen in vielen Varianten. Dabei ist die Größe nicht entscheidend. Wichtig ist, dass die Futterstelle regelmäßig (und leicht) gesäubert werden kann (am besten 1x pro Woche mit kochendem Wasser abspülen), damit Kot und Parasiten (Haarlinge, Federlinge, Zecken, Milben und andere Ektoparasiten) nicht mit dem Futter aufgenommen bzw. übertragen werden können. Die im Foto gezeigte Variante ist fast wartungsfrei! Auch der Standort der Fütterung sollte sorgsam gewählt werden: In Hausnähe (gut zur Beobachtung) und immer mit Deckung (Hecke, Sträucher u.a.) in kurzer Entfernung, damit Prädatoren (z.B. Sperber) keine Chance haben. Völlig ungeeignet wäre ein Standort einige Meter vom Haus entfernt ohne nahe gelegene Deckung!

Die Frage „Wie lange soll man füttern?“ lässt sich nicht verbindlich beantworten. In Großbritannien ist es üblich, das ganze Jahr zu füttern, bei uns eher nur die Wintermonate. Das hängt auch von der Witterung ab. Die letzten Jahre gab es keine langen Frostperioden mehr oder eine geschlossene Schneedecke über mehrere Wochen. Grundsätzlich ist gegen die Winterfütterung nichts einzuwenden. Man sollte bei ansteigenden Temperaturen die tägliche Futterration langsam herunterfahren, damit die Vögel sich wieder darauf besinnen, nach Futter zu suchen und nicht nur zum Selbstbedienungsladen zu fliegen. Es gibt aber wohl noch keine wissenschaftliche Studie, die belegt, dass ganzjährige Fütterung sich in irgendeiner Form negativ auf das Verhalten der Vögel auswirkt.

Junger Waldkauz sitzt am Hochbeet, Foto: Max Hunger

2. Was tun, wenn Vögel aus dem Nest fallen?

Sollte man einen jungen, flugunfähigen Vogel auffinden, so kann man ihn vorsichtig (und mit Handschuhen) aufheben und zurücksetzen, sofern das Nest gefunden wird. Bei Drosseln z.B. dürfte das kein Problem darstellen. Bei Höhlenbrütern (Blau-, Kohlmeisen) müsste man das Dach des Nistkastens abnehmen, und den Ausreißer zurücksetzen (bitte nicht durch das Flugloch stopfen!). Bei Auffinden von Eulen und Käuzen ist Vorsicht geboten, ihre Krallen sind recht scharf. Ein Zurücksetzen mit Hilfe einer langen Leiter ist nicht zu empfehlen. Entweder man belässt den Vogel an der Stelle (er wird sich schon seinen Eltern gegenüber bemerkbar machen, wenn er Hunger hat; wird auch am Boden gefüttert) und versucht ihn vorm Zugriff von Katzen zu schützen (mit Draht o.ä.) oder aber man bringt ihn nach vorheriger telefonischer Ankündigung zur Wildtierstation nach Rastede.

Rauchschwalbenhalbschale mit Fremdbewohner Hausrotschwanz, Foto: Max Hunger

Uferschwalbenkolonie, Foto: Max Hunger

Rauchschwalbe am See, Foto: Max Hunger
Mehlschwalbe im Nest, Foto: Max Hunger

Zu 3.) Die 3 bei uns vorkommenden Schwalbenarten bauen unterschiedliche Nester: Uferschwalben graben ihre Röhren in Abbruchkanten von Sandgruben. Mehl- und Rauchschwalbe bauen Nester aus Lehm, erstere regensicher unter dem Gesimse von Wohnhäusern und Scheunen, mit einer kleinen Einflugöffnung, die letztere, Halbschalen, die gerne in Stallungen und Garagen gebaut werden. Wenn man Schwalben ansiedeln will, gibt es folgendes zu beachten: Sehr hilfreich ist die Nähe zu Weidevieh und deren Stallung, da ist das Insektenangebot sehr gut. Aber auch beim Nestbau kann man den Schwalben unter die „Flügel“ greifen. Handelsübliche Nester sind von der Farbe her sehr hell. Hier hilft das Abreiben mit Mutterboden. Dunkle Nester werden eher angenommen. Aber auch das zusätzliche Angebot von Wasser und Lehm auf dem Hof wird gerne genutzt. Da Schwalben sehr reinlich sind, wird nach der Fütterung der Kot der Jungen wieder mitgenommen und im Flug ausgespuckt. Wer ein Problem mit dem Schwalbenkot hat, kann ein Kotbrettchen (max. 20cm breit) 50cm unterhalb des Nestes anbringen. Auf keinen Fall dichter oder sogar direkt unter das Nest schrauben, dann können die Vögel nicht mehr rechtzeitig bremsen, der Landewinkel verhindert eine sichere Landung und sie bleiben dem Nest fern. Außerdem könnten Beutegreifer (z.B. Steinmarder) möglicherweise das Brettchen für ihre Zwecke nutzen. Wer nicht jeden Tag die Pflastersteine reinigen möchte, lege einfach für die kurze Zeit (max. 2 Bruten a ca. 2 Wochen) der Jungenaufzucht ein Stück Pappe auf den Boden. Weitere Hinweise zu den Schwalben in den Merkblättern der Naturschutzstiftung Landkreis Oldenburg: Rauchschwalben, Mehlschwalben.

Meisenkasten, Foto: Max Hunger
Kleiberkasten, Foto: Max Hunger

Zu 4.): Wer Nistkästen aufhängt, betreibt biologische Schädlingsbekämpfung. Man kann sie entweder selber bauen (Anleitung im Internet) oder fertig kaufen. Nistkästen (Flugloch zeigt am besten in südöstliche Richtung) so hoch anbringen, dass der Kasten mit einer einfachen Leiter zu erreichen ist. Nach der Brutsaison sollte das alte Nest entfernt werden, damit keine Parasiten übertragen werden. Vögel nutzen die Kästen auch gerne als Schlafstatt oder bei Starkregenereignissen. Dabei kann man z.B. mehrere Starenkästen auch gerne zusammen aufhängen, da Stare sehr gesellig leben. Kästen für andere Höhlenbrüter (Blau-, Kohlmeise) sollten ein paar Meter von einander getrennt aufgehängt werden. Auf jeden Fall müssen sie so angebracht werden, dass keine Katze sie erreicht. -Im Herbst kann man getrost auch alte Vogelnester aus Sträuchern und Mauernischen entfernen, da die Vögel im nächsten Jahr neue Nester bauen, die alten nicht wieder benutzen.

Zu 5.): Grundsätzlich kann man den Fremdbezug eines speziellen Nistkastens nicht verhindern. In Einzelfällen jedoch, wenn bekannt ist, dass die Vögel zu einem bestimmten Termin (z.B. Mauersegler 01. Mai) zurückkehren, werden die Nistkästen Wochen vorher angebracht und das Einflugloch mit Watte verstopft (s. Foto). Damit man am Tag der Ankunft nicht auf die lange Leiter steigen muss, haben findige Vogelfreunde den Wattebausch an einem langen Faden befestigt, mit dem man sehr schnell (ohne Leiter) die Öffnung für die Mauersegler freigibt:

Verschlossene Mauerseglerkästen mit schimpfendem Haussperling, Foto: Max Hunger

Verschlossene Mauerseglerkästen, Foto: Max Hunger